Als ich in den 90er Jahren selbst zur Bundeswehr eingezogen wurde, war das noch ein ziemlich normaler Teil des Lebenswegs vieler junger Männer in Deutschland. Wer die Schule beendet hatte, machte entweder Zivildienst oder Wehrdienst. Das gehörte damals einfach dazu – ähnlich wie eine Ausbildung oder das Studium. Man sprach darüber, man wusste ungefähr, was einen erwartete, und irgendwo hatte fast jeder im Bekanntenkreis jemanden, der gerade beim Bund war oder es kurz zuvor gewesen war.
Ich selbst habe meinen Wehrdienst ebenfalls abgeleistet. Große ideologische Debatten gab es in meinem Umfeld darüber nicht. Natürlich gab es Kritik am Militär oder auch Diskussionen über Auslandseinsätze – aber die Bundeswehr war grundsätzlich ein normaler Bestandteil des Staates. Sie war vorhanden, aber sie spielte im Alltag der meisten Menschen keine besonders dominante Rolle. Interessanterweise galt das auch für die Schule.



