Dieser Artikel ist nicht aus einem aktuellen Impuls heraus entstanden, nicht aus Empörung oder aus Parteinahme. Er ist vielmehr das Ergebnis einer längeren Beobachtung – und eines wachsenden Unbehagens. Ich habe mich mit Russland nicht erst seit dem Ukrainekrieg beschäftigt. Das Interesse reicht weiter zurück. Schon in der Schulzeit hatte ich Russisch als Fremdsprache, habe mich damals – ganz unaufgeregt – mit Sprache, Geschichte und Mentalität beschäftigt. Dieses frühe Interesse hat dazu geführt, dass ich Entwicklungen dort über Jahre hinweg verfolgt habe, ohne ständig den Blickwinkel zu wechseln.
Gerade deshalb erschreckt mich heute, wie grob, wie vereinfachend und wie selbstsicher viele Bilder über Russland und seine angeblichen Ziele in den öffentlichen Raum gestellt werden – oft ohne Quellen, ohne Kontext, manchmal sogar ohne jede innere Logik. Besonders irritierend wird es dann, wenn solche Narrative nicht nur in Talkshows oder Kommentarspalten auftauchen, sondern von Journalisten, Politikern oder anderen offiziellen Stimmen nahezu unreflektiert übernommen werden. An einem Punkt stellt man sich dann zwangsläufig die Frage:
Stimmt das eigentlich so?



